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Worried Noodles

Jan Riepe, 5. November 2007 - 14:21

Veröffentlicht am:
23.10.2007
worried.jpg
Eine Zusammenstellung absurder und vulgärer Kunst.
 
Vor knapp zwei Jahren am 12. Dezember 2005 veröffentlichte David Shrigley beim Label Tomlab das ‚Album’ „Worried Noodles“ mit dem Zusatztitel „The empty sleeve“. Das war aber eigentlich eher ein Buch im 12-Inch-Format mit Zeichnungen und poetischen Texten.
Der Glasgower Shrigley ist vielleicht dem ein oder anderen schon aufgefallen als Zeichner des Vorspanns zum Kinofilm „Halam Foe“ oder durch seine Musikvideos für Blur und Bonnie Prince Billy. Außerdem arrangiert er auch Plattencover für zum Beispiel Deerhoof.
Aber wollte er denn mit „Worried Noodles“ ein Musikalbum produzieren oder nicht? Ist es ein Hörbuch geworden? Nein! Er selbst schrieb damals ins Booklet: „Ich hatte keinen Bock eine Platte aufzunehmen. Es wäre zu schwierig gewesen. Es war einfacher, keine Platte aufzunehmen.“ Es ist sozusagen ein „stilles Album“ geworden.
In Zusammenarbeit mit dem kölner Label Tomlab bat Shrigley befreundete oder in Frage kommende Künstler und Bands, die Musik zu seinem vorgelegten „stillen Album“ zu gestalten. Ohne Ausnahme sagten alle zu und herausgekommen ist die Neuauflage von „Worried Noodles“ mit einem SEHR dicken Booklet, also wieder eher ein Buch, und zwei Compact Discs auf denen insgesamt 39 Titel zu finden sind – jeder von einem anderen Interpreten. Die Texte dazu blieben natürlich die von David Shrigley und an einem Stück hat er sogar persönlich mitgewirkt.
Ein Blick auf die Titelliste lässt erkennen wie bunt die Künstler auf diesen zwei Scheiben zusammengewürfelt sind und nur erahnen wie breit das Spektrum an Musik hier aufgespannt ist. Es reicht vom Synthie Sound, zuletzt so gehört in den 1980ern, von Max Tundra über Country-Folk-Ansätze von Islands und ganz viel Rock/Pop natürlich auch, bis hin zu zeitgenössischer elektronischer Musik von Hot Chip. Das soll nur ein kleiner Auszug sein. Die Handschrift jedes Interpreten lässt sich nicht verkennen. Aber für zusätzliche Abwechslung sorgen die Künstler, indem sie von der mit ihrem Namen verbundenen Schiene abweichen und sich einmal anders ausprobieren und etwas mehr wagen. So klingt das ein oder andere Stück leicht experimentell.
Insgesamt entfaltet das Doppel-Album eine sehr ruhige und teilweise nachdenkliche Stimmung, ohne dass die Ausnahmen diese zerstören würden. Sie kann man sich viel mehr als Kontrastmittel vorstellen. Auffällig ist die hohe Anzahl vieler kurzer Titel, mit einer Spielzeit um die zwei Minuten vertreten, wobei die Bandbreite zwischen 37 Sekunden und 6:09 Minuten variiert. Ich würde sagen, die Gitarre hat sich gegenüber der elektronischen Musik klar eine Dominanz erspielt, was ich persönlich ein wenig bedauere. Basis für mehr Elektronik hat Shrigley mit Sicherheit geschaffen, allein durch seine repetitiven Texte. Wahrscheinlich aber erscheint der organische Klang der Gitarre den Künstlern näher an dem Werk Shrigleys, das sich durch seine Auseinandersetzungen mit dem Menschen, seiner Umgebung, seinen Emotionen und Interaktion mit andern Menschen und der Natur auszeichnet.
Wenn man oberflächlich an das Booklet von „Worried Noodles“ herangeht, dann mögen die schwarz-weißen Strichzeichnungen vielleicht infantil, vielleicht hässlich oder abstoßend auf manche Menschen wirken. Die hingeschmierten Texte mögen gehaltlos erscheinen und eventuell beim ersten Lesen nur ein Schmunzeln entlocken. Doch alles ist wesentlich komplexer als der Anschein es zunächst hergibt.Vielleicht denkt der eine oder andere sogar „Hah, das kann ich selbst genauso gut“ oder „Meine fünfjärige Tochter bringt sowas jeden Tag aus dem Kindergarten mit“. Ich denke aber, selbst wenn man eine einzige Zeichnung nach der Art Shrigleys zu Papier bekommt, wird einfach die Konsequenz und die Fähigkeit fehlen, den Humor von Shrigley in weiteren Zeichnungen oder Texten fortzusetzen. Shrigley hat mehr als hundert Seiten des Booklets gefüllt und allein darin liegt für mein Verständnis ein Teil seiner Kunst.
Und die Kür erfüllt Shrigley auf ganz andere Art und Weise. Er schafft es, dass sein Humor bei mir erst richtig einschlägt, wenn die Zeichnungen oder Texte ein wenig Zeit zum Sacken hatten. Dann kann ich mir oft ein lautes Lachen nicht verkneifen – einfach so, unvermittelt, beim Essen oder auf dem Fahrrad. Ein kleines Beispiel aus dem Booklet für so einen ‚Verzögerer’: „Once I found a diamond // lying on the path // that’s a nice diamond // I thought // I shall take it home and give it to my wife // but on the way home I lost it // and she divorced me”. Die Musik funktioniert auch ungemein besser in Kombination mit der abgedruckten Kunst im Buch, wie ich finde.
Die Künstler auf der Platte übersetzen den Witz ganz unterschiedlich in ihrer Musik. Manche nehmen etwa den infantilen Gedanken auf, so wie John Shankie, der den Titel „A Song“ wie ein Kind unterm Weihnachtsbaum ohne begleitende Musik vorträgt. Mitch Friedman singt in „Awesome“ ganz gelassen und übertrieben langsam über Speedmetal-Bands. Mit einem stumpfen Technobeat importiert aus den 1990ern erzeugen Liars die passende Atmosphäre zu „Panic Button“. In anderen Stücken wird der Humor kaum mehr wirlich herausgearbeitet. Das mag vielleicht zwischendurch auch ganz angenehmn sein.

Nicht alle Stücke auf „Worried Noodles“ sind vollends gelungen. Aber für eine Compilation sind erstaunlich viele Perlen darauf enthalten!

 

Monat:
2007/45
Label:
tomlab
Artist:
David Shrigley
Tracks:

Titelliste (mit Anspieltipps):


Disc 1:

  1. Roger Ferguson - Welcome Singer
  2. Christopher Francis - One
  3. Grizzly Bear - Blackcurrant Jam
  4. R. Stevie Moore - Live In Fear
  5. Phil Elverum & Nick Krgovich - Whatcha Doin'
  6. Scarlett's Well - Maybe
  7. Psapp - Sad Song
  8. Adian Moffat & The Best Ofs - Your Hands Are Cold
  9. Yacht - I Saw You
  10. Simon Bookish - Prince Of Wales
  11. Deerhoof - You, Dog (aka Kidz Are So Small)
  12. Hank - Baby's Bible
  13. Marriot 1262 (TV On The Radio Portland Chapter) - Sweet, Sweet Potato
  14. David Byrne - For You
  15. James Chadwick - The Wooden Floor
  16. Islands - Joy
  17. Cotton Candy - A Sentimental Song
  18. Franz Ferdinand - No
  19. Alig Fodder - The Hole
  20. Cibelle - Elaine



Disc 2:

  1. The Dirty Projectors - Come Forward
  2. The Curtains - Show Me The Way Things Work
  3. Max Tundra - A Truce
  4. Munch Munch - A Squirrel
  5. Liars - Panic Button
  6. Tussle (ft. David Shrigley) - A Clash Of Heads
  7. Trans Am - The Film
  8. John Shankie - A Song
  9. Scout Niblett - The Bell
  10. Final Fantasy - Joys
  11. Mt. Eerie - A Sentimental Song
  12. The Dead Science - Once I Found A Diamond
  13. Lord Cut Glass - Maybe
  14. No Kids - Another Song
  15. Hot Chip - No
  16. Casiotone For The Painfully Alone - The Pretty Girl
  17. Mitch Friedman - Awesome
  18. Pyrolator & Stoya - Elaine
  19. Les Georges Leningrad - Manager And Coordinator Of Prostitutes
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