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"Lange Zeit warst du nur ein Brocken Eis, jetzt bist du da, Deborah". So heißt es in der assoziativen Lyrik des Debutalbums von Elektro Willi und Sohn. Das auf den ersten Blick nicht ganz unbescheiden "Diamanten" betitelte Werk der Technopop-Hoffnungsträger vereint neue Stücke wie "Deborah" mit zwischenzeitlich in den Hypermedien und in Hamburg Gestreutem, sowie der Doppelsingle "Töne in Mein Haar" / "Das Knacken in der Rille".
Mit der Veröffentlichung der "Töne in Mein Haar EP" auf dem französischen Label Plays Cool machte das Aachener Duo 2006 erstmals auf sich aufmerksam. Benannt nach einem Traditionswaschmaschinenladen in der Jülicher Straße - und die Identitäten seiner Inhaber behauptend - traten sie zunächst nur maskiert in Erscheinung. Durch ihre Liveacts in dieser Gestaltung entstand eine Verbindung zum Hamburger Label Pudel Produkte, das ihr Instrumentalstück "Alle Fitzen Rein" auf der Doppelausgabe 5/6 seiner Labelschau auf Vinyl neben Genregrößen wie DJ Koze und Modeselektor verewigte. Die Zusammenstellung ihres bisherigen Schaffens haben Elektro Willi und Sohn nun, auch Problemen bei der Findung eines adäquaten Erscheinungsumfeldes folgend, auf eigene Faust und auf eigenem Label modul8 vorgenommen.
Die zwölf Tracks des Albums bieten dabei ein recht heterogenes Bild von Elektro Willis Welt. Der Fokus von Musik wie Lyrik liegt klar auf Beat und Dadaismus, aber auch Skizzen absurd ambienter Esoterik sind zwischengeschoben, in denen mal Ernst Jünger zu Wort kommt (im titelgebenden "Diamanten"), mal telefonische Erkundigungen nach "Duftbütteln" in Bordellen unterlegt sind. Die subtile Sektion von Wahnsinn und Alltag ist der Band nicht zuletzt aus den Nebentätigkeiten als Kameramann respektive Psychiater bekannt, und so ist auch das lautstarke Postulat am Ende des Albums zu verstehen: "Wie schön es wäre, auf dem Kopf zu gehen - den ganzen Saft im Schädel und Luft in den Zehen". Davor können die Ravesirenen und situationistischen Textbrocken bisweilen etwas beanspruchen - im Ganzen ist "Diamanten" aber ein äußerst frisches Werk, das sowohl als Dancefloor-Spaß, als auch als wahnwitziger Kunstentwurf für den Heimgebrauch taugt.
Text: René Finken