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Erinnert sich noch jemand an Naomi Kleins Buch "No logo!"? Darin analysierte Klein am Beispiel des Sportartikelherstellers Nike die Macht der Marken. Einer der Schlüsse dieses Buches: da immer mehr Geld in die Markenbildung investiert wird, wird bei der Produktion gespart, die daher aus Kostengründen nach Asien verlegt wird, wo sich die später teuer verkauften Lifestyleprodukte für Hungerlöhne herstellen lassen.
Seinerzeit war der Aufschrei aller konsumkritisch Gesinnten groß, heute scheint er schon wieder fast vergessen. Nike jedenfalls arbeitete weiter am eigenen Coolness-Image und bekam 2006 von James Murphys LCD Soundsystem einen etwa fünfundvierzigminütigen Mix geliefert, der vor allem beim Joggen funktionieren sollte. Seinerzeit nur über iTunes erhältlich, erscheint der Mix nun auch auf CD, aufgefüllt mit drei Songs, die auf den Auskopplungen zum diesjährigen Album "Sound Of Silver" als B-Seiten enthalten waren. Mit Ausnahme einer Instrumentalversion von "Someone Great", das später mit Gesang auch auf "Sound Of Silver" zu finden war, handelt es sich dabei ausschließlich um unveröffentlichte und ebenso unbetitelte Stücke.
Und wie schon "Sound Of Silver" und beinahe alles, was in diesem Jahr auf Murphys Label DFA erschien, ist auch dieses "45:33" herausragende Musik. Der punkige Einfluss, wie er beispielsweise auf den Singlehits "Tribulations" oder "Daft Punk Is Playing At My House" durchscheint, tritt auf "45:33" in den Hintergrund. Dafür regieren die Synthesizer und ein endloser, funkiger Discogroove, wie man ihn auch von den zahlreichen Remixen der DFA-Crew für beispielsweise die Gorillaz oder die Chemical Brothers her kennt. Murphy und seine Kollegen scheinen einen ganzen Hangar voll dieser treibenden Rhythmen zu besitzen, wenn man sich anschaut, mit welcher Konstanz hier einer nach dem anderen aus New York zu uns herüberwandert.
Der Einstieg in "45:33" freilich erfolgt noch ganz gemächlich mit einem zwei Minuten langen Intro in Form einer spacigen Synthiefigur. Dann gesellt sich ein Piano hinzu, der Bass setzt ein, dann das Schlagzeug und so kommt ein Element nach dem anderen hinzu, bis schließlich auch Murphy einsteigt und in einer der wenigen Gesangspassagen seine Zeile "Your love away from me / you can’t hide" wiederholt. Diesem entspannten Einstieg folgt dann nahtlos als dritter Track der immer noch beeindruckende und extrem schiebende Synthiebass von "Someone Great", hier mit Glockenspiel statt Gesangsspur. Dann kommen zwei weitere, stetig beschleunigende Tracks, ehe beim sechsten und letzten Track des Mixes der Beat mit einem Mal aufhört und ein extrem entspanntes Ambientstück die letzten acht Minuten beschließt.
Perfekt aufgebaut also für eine dreiviertel Stunde Jogging und harmonisch abgestimmt auf die langsame Ermüdung des unsportlichen Großstadtmitteleuropäers gegen Ende der Strecke. Zudem passiert hier gerade genug, dass man sich auch bei konzentriertem Zuhören nicht langweilt, umgekehrt aber auch wenig genug, dass man beim Joggen nicht vor lauter Faszination vor Laternenpfähle rennt. Dieses Muster setzt sich in den hinten angehängten B-Seiten in gewisser Weise fort, da sich auch hier wieder dieser ausufernde Groove findet, der allerdings nie langweilig wird, da immer rechtzweitig eine neue Wendung eingestreut wird.
Es ist eben wie beim Laufen im Wald: lange geht es nur geradeaus, dann kommt erst eine Steigung, dann will eine Straße überquert und ein Bach übersprungen werden, ehe ein Spaziergänger mit einem großen Hund, der Herrchens "Der will nur spielen" irgendwie nicht zu hören scheint, zur Tempoverschärfung einlädt. Und schließlich, nachdem alle Gefahren überwunden sind, trudelt man langsam aus, bis man ermattet und mit einem Bier in der Hand auf's Sofa fällt, da gleich Fußball kommt.