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Year Of Hibernation

Judith Salomon, 16. Januar 2012 - 20:23

Veröffentlicht am:
26.09.2011
YOUTH-LAGOON-THE-YEAR-OF-HIBERNATION.jpg

Manchmal gibt es Musik bei der man nicht so recht weiß wieso sie einem eigentlich so unglaublich gut gefällt. Denn wenn wie bei Youth Lagoon die Lyrics kaum zu verstehen sind und das ganze dumpf aufgenommen einer uralten, kratzigen Schallplatte gleicht, die auf einem Grammophon abgespielt wird, sind das eher Faktoren die dem Musikgenießer von Heute, dem verwöhnten Klangperfektionisten, gehörig gegen den Strich gehen. „Year of Hibernation“ ist dennoch ein Debutalbum, welches es vermag einen gefangen zu nehmen, zu einer großen Sucht zu werden, bis man am Ende gar nicht mehr merkt wie oft man den Repeat Knopf jetzt eigentlich wirklich betätigt hat.

Schon der Album Opener „Posters“ ist die perfekte Vorstellung des besonderen Sounds. Trevor Powers hat eine eigentlich Glasklar, wunderschöne Stimme, die besonders Fans von den mittlerweile hoch gefeierten Portugal. The Man sehr zusagen wird. Eingerahmt in diese Begrenzung aber, hinter diese unterdrückende Barriere, klingt sie verhalten und schüchtern, direkt aus einer anderen Welt hinaus, die nach zufriedener Ruhe klingt, nach einem lebensbejahenden Glücklichen besseren& nach unentdeckten Weiten. Wo „Posters“ langsam und ruhig startet, weitet es sich schnell aus, wird nebst den weich tragenden Vocals und dem Keyboard unterstützt durch weitere Synthesizer, treibenden Beats, einer den ganzen Sound tragenden Gitarre und läuft so langsam aus. Man hat bereits eine gewisse Ahnung was einen im Folgenden erwarten wird. Genau so ist es dann auch, „Cannons“ setzt genau da an wo der opener Endete, hat vielleicht noch ein bisschen mehr Singletauglichkeit, ein bisschen mehr power, mehr pepp im Hintern, wird aber nie drängend genug um die Atmosphäre ernsthaft anzukratzen. Auch hier scheint der Musik wieder die gleiche Bedeutung wie den Vocals zugemessen zu sein, was einen weder auf das eine noch das andere konzentrieren lässt, sondern ein Gesamtbild ergibt, in dem das eine dem anderen in nichts nachsteht, und so vielleicht glücklicherweise nochmal zurückbesinnt auf die wahre Kunst Musik, in der es heutzutage viel zu oft primär um die Stimme und Lyrics geht. Ein weiteres Highlight ist wohl „Daydreams“, bei dem die Box auf einmal viel zu klein zu sein scheint und die Synthies die Wände buchstäblich zum beben bringen, der verträumte Indie-Dream-Pop die Barriere eigentlich sprengen will, aber das neugierige erahnen von dem ganzen, dem klaren klang, eben doch viel aufregender ist, als das ganze Packet tatsächlich auch zu bekommen.

Der Rest des Albums reiht sich nahtlos in dieses Schema an. Manchmal verhalten, manchmal ausbrechend, aber immer süß und wärmend, Musik fürs innere Gleichgewicht, aber gemischt mit dem Verlangen nach ausbrechen, nach dem erkunden dieser kleinen Welt, nach vorwärts schreiten, sowie grenzenloser Euphorie.

Wer sich also die Wärme zurück ins Haus, zurück ins Herz holen will. Gewillt ist die letzten Sonnenstrahlen des Herbstes zu sehen und mit großer Freude in sich aufzunehmen. Wer das Ganze mit einem Soundtrack verbinden möchte. Der ist bei „The Year of Hibernation“ absolut richtig aufgehoben und wird sich zuhause fühlen wie er es das letzte Mal bei „Fleet Foxes“, „Mumford& Sons“ oder „The Head and the Heart“ getan hat.

Monat:
2011/09
Label:
Fat Possum
Artist:
Youth Lagoon
Tracks:
  1. Posters
  2. Cannons
  3. Afternoon
  4. 17
  5. July
  6. Daydream
  7. Montana
  8. The Hunt
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