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Beim Stichwort "Reggae" bekommen manche Mitmenschen direkt fiesen Ausschlag und dicke Halsschlagadern. Für Menschen wie Mark Ainley und Mark Ernestus hingegen ist Reaggae eine Leidenschaft. Ernestus etwa hat in den 90ern als eine Hälfte von Rhythm & Sound wegweisende. digitale Dubplatten gemacht. Zusammen mit Ainley hat er nun vor einigen Monaten das Label Dug Out gegründet, das sich der Wiederveröffentlichung längst vergriffener Schätze aus Reggae, Dub und Dancehall verschrieben hat. Neueste Ausgrabung der beiden ist das ursprünglich 1974 erschienene Album "Peace and Love" von Dadawah alias Ras Michael & The Sons of Negus. Michael gründete die Sons of Negus Churchical Host, eine Gruppe von Sängern und Trommlern, in den 60ern und trat mit ihnen regelmäßig bei Rastafari-Zusammenkünften auf. 1974 dann fand sich ein Produzent, der trotz geringer Aussichten auf kommerziellen Erfolg eine Platte mit der Gruppe aufnehmen wollte. Dass sich mit dieser Musik kaum Geld würde verdienen lassen, überrascht nicht, wenn man die vier überlangen Tracks von "Peace and Love" einmal gehört hat. Mit einer ganz dem Glauben an Jah hingegebenen Stimme über hypnotisierenden Trommeln mäandern die Tracks umher, in ihrer Spiritualität der psychedelischen Musik näher als herkömmliche, in Richtung Pop und Songstruktur schielende Reggae-Stücke. Nyabinghi heißt dieser besondere Stil, dem Dug Out mit dieser Wiederveröffentlichung neues Gehör verschafft. Es wäre schön, wenn dem noch weitere Platten nachkämen, die ähnlich viel Inbrunst spürbar machen.
Text: Harald Jakobs