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Ein friedliches Idyll fernab der dramatischen Weltläufe. Oder doch der Augenblick vor der Katastrophe, jener Moment, in dem es schlagartig still wird, die Natur auf eine beunruhigende Weise verstummt und selbst das ewige Hintergrundrauschen gespannt den Atem anhält. Wer das bisherige Werk von Hendrik Weber alias Pantha du Prince kennt, wird das Cover von "Black Noise", Webers drittem Album unter diesem Pseudonym, ohne Zweifel als die Ruhe vor dem Sturm, dem Umkippen des Sonnenscheins in tiefschwarze Nacht lesen.
"This Bliss", der von der Kritik einhellig gelobte Vorgänger, verband bereits auf seltene Weise feine, glasklare Sounds, dramatische Melodien und schiebende, in einen schwarzen Umhang gehüllte Housebeats zu einem ebenso romantischen wie düsteren Entwurf elektronischer Musik, die auch Hörer, die dieses Genre ansonsten meiden, in ihren Bann ziehen konnte. Für den Nachfolger "Black Noise" ist Weber nun in die Schweizer Berge gefahren, um dort die Field Recordings zu sammeln, die das Album zu einer klanglichen Entdeckungsreise machen.
Ein vorbeifahrendes Mofa, Kuhglocken, Blätter, die unter den Füßen rascheln, das ferne Läuten einer Kirchenglocke und ein allgegenwärtiges Zirpen, Sirren, Knistern und Klingeln. Die Zahl der Geräusche, die um die dunklen, aber stets warmen Bässe herumschwirren wie Glühwürmchen um das Licht, ist schier unendlich. Wie feinste Staubteilchen, die die Luft unruhig vibrieren lassen, wirbeln sie durch die 11 Tracks.
Und mit dem letzten Track "Es schneit" bricht dann tatsächlich das lange erwartete Unglück herein: eine Glocke ruft in rasender Verzweiflung die Bewohner des Dorfes herbei, während die Lawine schon in unaufhaltsamer Fahrt den Berg hinabschießt, alles Leben unter sich begrabend. Ein dramatisches Ende für ein Album, das beinahe gar nicht zustande gekommen wäre. Denn Hendrik Weber wollte nach dem Erfolg von "This Bliss" eigentlich aufhören, konnte aber dann von Rough-Trade-Labelchef Geoff Travis doch noch zu einem neuen Anlauf überredet werden. Gottseidank muss man sagen. Denn das Unerträglichste wäre die schwere Stille ohne neues Album von Pantha du Prince.
Text: Harald Jakobs