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Die dreckigste Toilette Schottlands. Das ist nicht das Einzige, was wohl auf ewig mit Danny Boyles Junkie-Film "Trainspotting" verbunden bleiben wird. Auch "Born Slippy [Nuxx]" von Underworld gehört dazu. Eine zehnminütige Technoabfahrt, die damals, 1996, auf dem Soundtrack zu finden war und mit ihrem rüden, unaufhörlich stampfenden Rhythmus gegen die Schädelwand pochte wie die Kopfschmerzen am Morgen nach dem x-ten Absturz des wie ein D-Zug vorbeirauschenden Lebens. Bis heute prägt dieser Track das Bild, das sich die Welt von Underworld macht. Eine Beatwand gepaart mit Stream-of-consciousness-artigen Wortkaskaden, die aus Karl Hyde, einer Hälfte von Underworld, heraussprudeln wie aus einem Schamanen im Zustand der Ekstase. Die ultimative Abfahrt, wie der Technoanhänger gerne sagt.
Mit Techno oder gar Rave hat "Athens", die erste Folge einer ganzen Serie von Compilations aus dem Hause Underworld, allerdings beinahe nichts zu tun. Ziel von Hyde und seinem Mitstreiter Rick Smith, die hier zusammen mit zwei Livemusikern auch unter ihrem Alias The Misterons aufgeführt werden, war viel eher, live eingespielte Musik zusammenzustellen, die entgegen der strengen, allzu oft in Dancefloorschemata erstarrenden Maschinenmusik Techno gerade von ihrer Improvisation und ihrem Mut zum Experiment lebt. Gefunden haben Underworld dies nicht ganz überraschend in Musik, die bei aller stilistischen Divergenz doch letztlich immer mit einem Bein im Jazz steht.
Die Harfenistin und Pianistin Alice Coltrane macht den Auftakt mit ihrem beinahe bewusstseinserweiternd zu nennenden Free-Jazz/Space-Jazz "Journey in Satchidananda". Es folgen so unterschiedliche Künstler wie der sonst so hypernervöse Breakcore-Artist Squarepusher, der sich hier eher in seiner weniger bekannten Rolle als selbstverliebter, aber ebenso virtuoser Bassist zeigt; die Art-Rocker Roxy Music in all ihrer dandyesken Verzweiflung; der schwer in alte Soul, Funk und Discosamples verliebte, in letzter Zeit aber immer häufiger seine jazzige Seite hervorkehrende Detroiter Deep-House-Produzent Moodymann; oder, auf dem letzten, dann doch noch etwas beatlastigeren Drittel der Compilation, der französische Technoproduzent Laurent Garnier mit einer Art Afrotechno und schließlich Underworld selbst mit einem etwas älteren Instrumental und einer ganz frischen Kollaboration mit Brian Eno.
Das Stück, das überhaupt den Anstoß gab zu "Athens", ist ebenfalls vertreten. Soft Machine mit "Penny Hitch" von 1973, auf dem sie ihre Kunst im Umgang mit den damals erst wenige Jahre erhältlichen Synthesizern zeigen, die sie berühmt und für viele Technoproduzenten so einflussreich gemacht hat – darunter auch Underworld, die sich mit dieser Compilation viel weiter nach draußen wagen, als man das vermuten konnte. Und die mit den noch kommenden Folgen dieser Compilation-Serie hoffentlich weiter daran arbeiten werden, sich von ihrem Techno-Image zu lösen. Denn mal ehrlich: Wer will schon mit der dreckigsten Toilette Schottlands in einem Atemzug genannt werden?
Text: Harald Jakobs