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Stille...süße, schwere Dunkelheit, die einen wohlig kühl umfasst. Das Gefühl, im Nichts zu schweben. Oder bin ich „Nichts“? Lebe ich noch? Habe ich je gelebt? Sterbe ich vielleicht und hab es schlichtweg vergessen? Oder...Drogen? Das Auftauchen aus dem K-Hole, ein durch ein hochpotentes Psychedelikum ausgelöster Ego-Tod und die sich ergebende Nahtoderfahrung? Während der kleine Rest von Bewusstsein, der diese Fragen überhaupt erst ermöglicht, auf dem beschwerlichen Weg zu Erkenntnis davon fließt, nehme ich ein tiefes Pulsieren wahr. Herzschlag? Ist dies meine Geburt? Aus dem Nichts streift ein Lichtblitz die Retina und sorgt für kaskadierende Glücksgefühle. Noch ein Blitz, diesmal nicht so grell. Das Pulsieren steigert sich. Sinuswellen vereinen sich in dem beruhigenden Dröhnen der Maschinen. Metall schleift über den staubigen Boden eines alten Kraftwerks. Stimmen? Aus dem Tanz der Basswelten erhebt sich in der Ferne eine Stimme. Erst ganz allmählich ist sie als menschlich erkennbar. Sie tanzt im Hall, bewegt sich mit Anmut durch die von ihr selbst erzeugten Echos. „Ain´t no happines“, „ain´t no sadness“, erzählt sie und – als gelte es, alle Zweifel zu beseitigen - “Ok”! Eingebettet in den Groove, der unaufhörlich zu Höherem drängt. Nach oben! Musik, wie von einem fremden, aber doch so vertrauten Stern. Musik für die Kathedrale.
Ben Klocks Debütalbum „One“ ist Musik für diese Kathedrale und die konsequente Fortsetzung der Entwicklung des Produzenten Klock, der einen so radikalen, verheißungsvollen Entwurf von Techno zu Beginn des Jahres 2009 mit diesem Album vorgelegt hat, dass diese Musik der große Hoffnungsspender für Techno ist. Und es ist House. Es ist vielleicht sogar mehr House, als Techno, wenn House Music die große Mutter ist, von der alles andere, auch Techno, Varianten und Ausdifferenzierungen sind. Beeinflusst von klassischem Techno der Marke Detroit, von House a lá Larry Heard, von IDM, Basic Channel Dub und sogar Dubstep, ist es von großer Vielseitigkeit und dennoch wie aus einem Guss. Es erzählt die große Geschichte der Nacht. Dem Glücksgefühl der Dunkelheit, der Ekstase und dem Absturz im Laufe einer Nacht in den weiten Hallen des Clubs. Und der Club ist das Berghain, Berlins Brutstätte der Rückkehr zu Techno mit all seinen Dramen.
Nach Releases auf respektierten Labels wie Bpitch Control, dem Sublabel Memo, dem eigenen Imprint Clockworks und dem Hauslabel Ostgut Ton, sowie einer stattlichen Anzahl von Remixen, ist Ben Klock endgültig angekommen. Von dunklen Technoschiebern für die Mitte der Nacht wie etwa „Check For Pulse“ oder „Grip“ zum gewaltigen Dubstep von „Gold Rush“ gelingt es ihm, das Erbe der Gründerväter dieser Musik in ein zeitgenössisches Manifest für den Groove zu entwickeln. Und Elif Bicer, die schon auf dem großartigen House-Album „Serenity“ (OSTGUTLP01 ) von Prosumer & Murat Tepeli zu hören war, steuert auf zwei Tracks – „Goodly Sin“ und „Ok“ - ihre Stimme bei, die Klock zu einem Malstrom aus verlockender und fordernder Sinnlichkeit verarbeitet. Perfekte Musik. Die Nadel nochmals aufgesetzt und von vorne. Immer wieder. Immer weiter. Lebe ich noch? Check for pulse...
Text: Thorsten Hoffmann