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Wer sich für Musik aus den Ghettos der 2. und 3. Welt interessiert, hat dieser Tage einiges zu tun. Baile Funk aus Südamerika, Kwaito aus Südafrika und nun gesellt sich auch noch Kuduro aus Angola hinzu. Harte, hüpfende, rauh und dreckig produzierte Beats, die europäischen House und Techno nachahmen wollen, aber ihre afrikanischen Wurzeln nicht verleugnen können. Dazu aggressiv herausgespuckte Raps, die aber letztlich nicht mehr wollen, als die Party anheizen. So in etwa klingt er, der "harte Arsch", was Kuduro im Deutschen bedeutet.
Entstanden ist Kuduro bereits zu Beginn der 1990er-Jahre. Den Weg nach Europa hat er aber erst in den letzten Jahren gefunden. Maßgeblich daran beteiligt waren Buraka Som Sistema, eine Formation aus Lissabon, die den Sound aus der ehemaligen portugiesischen Kolonie kompatibel für die europäischen Clubs gemacht hat, indem sie den Rohdiamanten - Fußnote: Angola besitzt reiche Diamantvorkommen - abgeschliffen und mit Elementen von Dubstep, Jungle, Baile Funk, Grime, UK Techno und noch einigem anderen angereichert haben.
Die eindeutige Botschaft des fertigen "Black diamond": Party hard!! Daran lassen schon die ersten vier Tracks des zweiten Albums von Buraka Som Sistema keine Zweifel aufkommen.So scheucht "Sound of Kuduro" mit dem Kuduro-DJ Znobia und M.I.A. als Gästen - siehe dazu auch das beeindruckende Tanzvideo aus dem luandischen Ghetto - einer Alarmanlage gleich mit dem typischen tribalartigen Trommeln und überall verteilten, hysterischen Sounds alles auf, was Beine hat. "Kalemba (wegue-wegue)" gibt sich nur eine Spur gemäßigter, wenn es sich den Weg durch eine urwaldgleiche Soundlandschaft bahnt.
Erst zur Albummitte hin kehrt momentweise etwas Ruhe ein. Doch sowohl "IC19" als auch "General", das nach Art einer Steelcombo beginnt, nutzen die kurzen Verschnaufpausen nur dazu, ein neues Magazin einzulegen. Bevor gegen Ende in "New Africas pt. 2" eine dunkle Stimme direkt aus dem afrikanischen Buschland zu raunen scheint, gibt es dann mit "YAH!" noch den ersten, bereits 2006 erschienen Hit der Portugiesen.
"Black diamond" macht es einem mit seiner kompromisslosen Partyhaltung und den ungewohnten, bisweilen auch etwas eintönig wirkenden Beatstrukturen nicht immer leicht, die Platte zu mögen. Zudem fällt die Platte dem Vernehmen begeisterter Konzertbesucher gegenüber dem Liveerlebnis dann doch ab. Aber wer auf die in Elektronikkreisen gerne beschworene Deepness verzichten kann und den staubsaugerartigen Kompressorsound von Justice, Digitalism & Co langsam über hat, findet hier willkommene Abwechslung. Und wer auf Jean-Claude van Damme steht, muss hier ohnehin mal reinhören. Warum ausgerechnet der Actionheld aus Belgien? Weil sich die Bezeichnung "Kuduro" einem Gerücht zufolge von einer Szene aus dem Van-Damme-Film "Kickboxer" ableitet. Und wer van Damme schon einmal in Action gesehen hat, weiß: der hat mal wirklich einen harten Arsch.
Text: Harald Jakobs